Arthroskopische Schulter-Operation
Anatomische Einleitung
Das Schultergelenk ist ein knöchern nur sehr locker geführtes Kugelgelenk, welches seine Stabilität erst dem komplizierten Zusammenspiel von Haltebändern, Kapsel und Muskeln verdankt. Dadurch erst wird das grosse Bewegungsausmass für die oberen Extremitäten ermöglicht, welche u.a. unsere herausragende Stellung in der Entwicklungsgeschichte des Lebens ermöglicht. Zum anderen aber auch ist die Schulter dadurch verletzungs- und verschleissanfällig.
Vielfältige unterschiedliche Erkrankungsformen finden wir an der Schulter:
1. Instabilität der Schulter als Unfallfolge nach Luxation (Auskugeln) oder anlagebedingt durch schwache Haltebänder.
2. Verschleissbedingte Schmerzen beim Heben des Armes und vor allem nachts durch Entzündungen bis hin zum Teil-Abriss des Oberarmhebemuskels (Supraspinatussehne).
3. Komplette grosse Abrisse der Hauptschultersehnen (Rotatorenmanschettenruptur).
4. Verkalkung der Supraspinatussehne (Tendinitis calcarea).
5. Schultersteife (frozen shoulder), welche spontan oder nach Verletzungen auftreten kann.
6. Arthrose des Schultereckgelenkes (weniger die Arthrose des Schulter-Hauptgelenkes).
7. Verschiedenen Brüche im Schulterbereich, besonders der Oberarmkopfbruch des älteren Menschen und die Schultereckgelenksprengung nach Stürzen bei jüngeren Menschen.
Therapie
1. Nach Luxationen setzen sich immer mehr die arthroskopische Stabilisierung schon nach der ersten Verrenkung durch, da hierbei sehr gute Resultate mit nur geringen Rezidivraten unter 5 % erzielt werden. Man wartet, ähnlich wie bei den Kreuzbandverletzungen nicht mehr ab, bis irreversible schwere Schäden entstanden sind. Die habituelle Luxation (mehrfaches Auskugeln der Schulter auch bei harmlosen Bewegungen) stellt nicht nur einen erheblichen Gefährdungsfaktor im Alltag und bei Bedienung von Maschienen und im Sport dar, sondern leiert die Schulterkapsel immer mehr aus, so dass Luxationsprobleme zunehmen, der Rand der Schulterpfanne bröckelt ab, und später ist kaum noch eine verlässliche Schulterfunktion zu rekonstruieren.Deshalb ist bei habitueller Luxation auch heute noch die offene Schulterstabilisierung das Mittel der Wahl, da hier die Ergebnisse besser sind, als nach arthroskopischer Stabilisierung.In leichteren Fällen oder bei erstmaliger Verrenkung können wir neben arthroskopischer Stabilisierung auch eine Kapselschrumpfung durch moderne Hochfrequenz-Elektrogeräte oder eine zirkuläre Kapselverkleinerung mittels mehreren Nähten über einen arthroskopischen Eingriff erreichen. Die Ergebnisse dieser noch jungen Therapiemethode sind sehr vielversprechend.
2. Verschleissbedingte Schmerzen haben oft als Ursache einen störenden Knochensporn an der Unterseite des Schulterdaches (Acromion-Unterseite). Solche Osteophyten können endoskopisch mit Minifräsen elegant abgeschliffen werden (ESD = Endoskopische Subacromiale Dekompression). Danach hat die darunter gleitende Supraspinatussehne wieder ausreichend Platz und entzündliche Reizungen können langsam abheilen. Teilrupturen kann man teilweise belassen, sie stören wenig, verursachen kaum Kraftverlust und können manchmal narbig wieder ausheilen.
3. Rotatorenmanschettenrupturen werden zunehmend auch bei älteren Menschen wieder operativ verschlossen, um- die fortschreitende Gelenkzerstörung (Defektarthropathie)
- Kraftlosigkeit
- Verlust der Armhebung (Kämmen, Rasieren, Essen erschwert oder unmöglich)
- unerträgliche Nachtschmerzen
- zu verringern oder zu beseitigen.
Der operative Aufwand ist relativ hoch, durch verschiedene moderne Nahttechniken mit entsprechenden knöchernen Fixierungen (Nahtanker), können stabile Nähte der gerissenen Sehnen erreicht werden, damit die Sehnen in den folgenden Wochen und Monaten wieder einwachsen können. Die Chance, dass eine gerissene Sehne durch eine Nahttechnik wieder anwachsen kann, ist umso höher, je kleiner der Riss ist. Es lohnt sich allerdings fast immer auch bei grösseren Rissen einen Nahtversuch durchzuführen, wenn in den präoperativen
Bildern (Kernspintomogramm, Ultraschall , Röntgen) die Chance besteht ,die Sehnen teilweise oder komplett ohne grössere Spannungen zu fixieren. Ansonsten kann auch ein Debridement schmerzlindernd sein (reverse decompression).
Die Nachbehandlung umfasst eine Ruhephase des Armes von wenigen Wochen mit einer intensiven krankengymnastischen Rehabilitationsphase von einigen Monaten.
4. Bei einer Verkalkung der Supraspinatussehne ist als neues, nicht invasives Therapieprinzip Anfang der 90er Jahre die Stosswellentherapie entwickelt worden. Sie leitet sich aus der Nierensteinzertrümmerung ab und kann inzwischen ambulant in örtlicher Betäubung der Schulter vorgenommen werden. Meist genügen zwei bis drei Sitzungen, um Schmerzreduktion oder – befreiung durch Verkleinerung oder Zerbröseln der Verkalkung zu erzielen. Meist werden die zersprengten Kalkpartikelchen vom Körper nach und nach resorbiert. In einigen Fällen muss allerdings der Kalk entfernt werden (arthroskopisch oder offen).
5. Die Schultersteife stellt auch heute noch ein grosses therapeutisches Problem dar und der erfahrene Orthopäde muss sorgsam die Wahl des Vorgehens abwägen. In den meisten Fällen wird zu Beginn eine Injektionstherapie mit Krankengymnastik, ggf. unterstützt durch eine Narkosebewegung, versucht. Wenn wenig Besserung eintritt, dann können arthroskopisch Verwachsungen gelöst und Kapsel-Bandanteile reseziert werden.
6. Bei der Arthrose des Schultereckgelenkes bietet sich heutzutage die arthroskopische Resektion des äusseren Endes des Schlüsselbeines an. Hierdurch entsteht kein Funktionsverlust.
Neben der Aufklärung im persönlichen Gespräch beachten Sie bitte die folgenden Hinweise:
Nach der Operation:
Sie verbleiben im allgemeinen 2-4 Tage in der Klinik und sollten sich dann abholen lassen, denn Sie dürfen noch nicht selbst Autofahren.
Zu Hause mit einem trockenen Eisbeutel mehrmals für ca. 15 Min. kühlen. Meist haben wir Ihnen den Arm in einem Verband an den Körper angelegt, welchen Sie zu Hause je nach Nachbehandlungsvorschrift ablegen können.
Nachbehandlung
Die Nachbehandlung gestaltet sich unterschiedlich, je nach Op-Technik und Befund und wird Ihnen ein Nachbehandlungskonzept, individuell für Sie zusammengestellt, mitgegeben , damit Sie selbst Übungen durchführen können und der Physitherapeut Sie unterstützend mit Übungen begleitet.
Bei der Schulterstabilisierung ist Ruhigstellung über einige Wochen nötig. Hier beginnt die Krankengymnastik mit Verzögerung von ca. 1-2 Wochen.
Bei einfacher Säuberung und Erweiterung unter dem Schulterdach ist die Lagerung unkritisch, es kann rasch der volle Bewegungsspielraum passiv und dann auch aktiv geübt werden. Bei länger vorbestehender Schultersteife sollte die Thoraxabduktionsschiene für ca. 1 bis 2 Wochen getragen werden. Sie dürfen die Schiene zum Waschen und für Bewegungsübungen abnehmen. Die Bewegungstherapie muss mehrmals am Tag durchgeführt werden.
Sollte auch noch zusätzlich eine Naht der Rotatorenmanschette erfolgt sein, halten Sie sich bitte an die vorgegebene Zeit der Ruhigstellung und limitierten Übungen.
Bitte halten Sie sich an die bei uns oder den mitbehandelden Ärzten vereinbarten Kontrolltermine, da jede Schulteroperation eine individuelle Genesung durchläuft und eine sensible und konsequente Nachbehandlung erfordert. Werden Sie nicht ungeduldig, denn auch 3-5 Wochen nach der OP sind Restbeschwerden je nach Schwere der Schulterdegeneration noch häufig.
Nach 6 Wochen sowie 3 und 6 Monaten möchten wir Sie gerne selbst wieder in der Praxis untersuchen, um einen optimalen Heilungsverlauf zu gewährleisten.


